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Warum und wie wir die Hamburger Clubkultur schützen müssen

in Kultur/Nachtleben von

Am vergangenen Freitag haben erneut zahlreiche Clubbesitzer auf St. Pauli für den Erhalt ihrer Institutionen protestiert. Eine Stunde lang hielten die Betreiber ihre Läden dicht und verkauften Getränke nur noch am Fenster. Damit wollen sie auf die enorme Flut von Kiosken aufmerksam machen, denn die sorgen laut den Clubbetreibern für hohe Umsatzeinbußen in Bars und Diskotheken. Zahlreiche Besucher der Reeperbahn würden nur noch auf der Straße „cornern“ und die Veranstaltungsstätten höchstens besuchen, um dort die Toilette zu benutzen. Die Clubbesitzer sehen dadurch die Vielfalt und den Erhalt ihrer Lokale bedroht.

Nun muss man natürlich auch klar sagen, dass viele Kiez-Besucher einen guten Grund haben, aus dem sie ihre Getränke vornehmlich auf der Straße und nicht mehr in den Bars selber kaufen: Die Preise in den Kiosken sind einfach günstiger. Gerade wir Studenten haben oft nur ein begrenztes Budget für das Wochenende zur Verfügung. Da wirken die Billig-Angebote der auffällig blinkenden Läden am Straßenrand verlockend. Wir müssen uns allerdings die Frage stellen, was das für die Reeperbahn bedeutet, deren Angebot wir regelmäßig nutzen. Machen wir damit die vielen Clubs und Bars kaputt, die wir so gerne besuchen?

Beatles-Platz

Die Antwort auf dieses Problem kann kein Radikalschnitt sein. Auch Kioskbesitzer wollen schließlich überleben, und ob wir wirklich die Vielfalt fördern, wenn wir diesen Teil der Reeperbahn untergraben, ist zumindest fragwürdig. Problematisch sind allerdings Läden wie die sehr beliebte „Wodka Bombe“, die mit lauter Musik und dem Mixen von Billig-Longdrinks im Prinzip auch nichts anderes als eine Bar sind, vor dem Gesetz aber als Kiosk gelten. Dadurch müssen die Betreiber viel weniger Auflagen erfüllen, eine Toilette muss bei ihnen etwa nicht vorhanden sein. Und genau das ist wohl auch der Grund, aus dem sie ihre Drinks so billig verkaufen können. Die Lösung muss hier also nicht nur im Boykott der Kioske liegen, sondern auch in klareren Reglementierungen durch die Behörde und vernünftigen Konditionen für die Clubbetreiber, damit die Preise für alle bezahlbar bleiben.

Reeperbahn

Denn seien wir mal ganz ehrlich, so verlockend das Angebot des Billig-Alkohols am Straßenrand doch ist – auf den Kiez gehen wir doch eigentlich, weil es dort Partykultur in all ihrer Vielfalt gibt. Was wäre die Reeperbahn ohne die Indie-Band im Molotow, ohne einen Karaoke-Abend in der Thai-Oase, ohne einen Theaterbesuch im Schmidtchen oder ohne einen langen Tanzabend im Sommersalon? Natürlich muss niemand Schnaps ab sofort nur noch in Clubs und Bars und nicht mehr an den Kiosken kaufen. Trotzdem sollten wir darüber nachdenken, ob wir uns nicht auch ein Getränk in den vielen Lokalen gönnen sollten, die oft noch nicht einmal Eintritt von uns verlangen. Denn obwohl auf der Reeperbahn auch vieles falsch läuft, sollten wir uns darüber im Klaren sein, dass sie als Kulturzentrum für Hamburg ein unschätzbar wertvoller Spross ist – und es wäre ein großer Verlust, diesen verdorren zu lassen.

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