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Wie wir unsere Freiheit in Zeitdruck ertränken

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Die Prüfungsphase ist seit Anbeginn der Menschheit die aufregendste und nervenraubendste Zeit, die man überstehen muss. Kampf gegen Säbelzahntiger, Bauen von Pyramiden oder Hexenverbrennungen? Alles Pipifax im Vergleich zu der tickenden Uhr, die Studierende vor sich hertreibt.

Too much? Vielleicht. Doch das Klischee des angeblich faulen Studenten passt so gar nicht zu der Realität derer, die ständig denken, keine Zeit mehr zu haben. Denn auch, wenn viele von uns zu spät mit dem Lernen oder den Hausarbeiten anfangen, spüren die meisten von uns doch, dass ihnen keine Zeit mehr bleibt.

Ganz logisch ist das natürlich nicht. Das deutsche Sozialsystem lässt uns nicht auf der Straße landen, wenn wir unser Studium nicht schaffen. Das Studium um ein Semester zu überziehen, ist für die Universität kein Beinbruch. Und doch treibt es uns den Angstschweiß auf die Stirn, wenn wir an die Zukunft denken – denn was ist, wenn wir nicht alles schaffen, was wir schaffen wollen?

Mama und Papa sagen, dass es schön ist, wie viele Freiheiten wir haben. Bockige Facebook-Kommentare über Generation Y und Z sagen, dass es furchtbar ist, wie viele Freiheiten wir haben. Wer hat nun Recht? Beide ein bisschen, denn diese allumfassende Freiheit, die uns eigentlich freuen sollte, setzt uns auch unter Druck. Wir müssen sie voll ausnutzen. Wer nicht alles macht, ist undankbar.

Also müssen wir kalkulieren. Der Auslandsaufenthalt kann nicht spontan begonnen werden. Er muss in den Lebenslauf passen. Das Praktikum darf nicht beim Buchhändler um die Ecke gemacht werden, da muss es schon ein großer Name sein. Dafür ein extra Semester einplanen? Bloß nicht, da gerät der Fünf-Jahres-Plan für den Familienbau aus den Fugen. Denn Familie und Karriere kann man nicht nur unter einen Hut bekommen, man muss sogar.

Karriere, Familie, persönliche Weiterentwicklung, alles nach Plan, doch was ist, wenn der Plan ins Wanken gerät? Panik. Regelstudienzeit verpasst? Naja, im Bachelor geht das ja noch. Google verrät, dass Personaler das sogar gut finden könnten. Aber im Master nicht mehr, also Praktikum nebenbei und arbeiten und Freunde treffen und Tindern und Reisen und bloß keine Zeit verlieren.

Und selbst für diejenigen, die sich Zeit lassen wollen, die keinen Plan haben, die erst einmal anfangen, selbst für die ist spätestens mit Mitte 20 Schluss. Dann sind wir plötzlich keine Freigeister mehr. Alle anderen machen so viel, also muss ich doch auch, oder? Gesund leben, ein bisschen Yoga vielleicht und Selbstverwirklichung. Studium, ein Job und Haufen Erfahrungen und irgendwo dazwischen noch Kinder. Einmal alles zum Mitnehmen bitte. Bloß keine Freiheit verpassen. Wer still steht, ist undankbar.

StudentsStudents hat für euch recherchiert. Wer ein bisschen mehr über Zukunftsängste und über Möglichkeiten der Entschleunigung erfahren möchte, kann sich durch unsere Links klicken. Wie immer wollen wir eure Meinungen hören. Habt ihr Zeit? Oder müsst ihr auch alles auf einmal?

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