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Zeugnis

Inflationsgefahr und Wahnwitz: Sind unsere Noten überhaupt noch etwas wert?

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Noten an Universitäten sind so eine Sache: Die einen bekommen sie fast mit Kusshand hinterhergeworfen, in anderen Fächern lebt man wiederum nach dem Grundsatz „Vier gewinnt“ und ist nur darauf fokussiert, die fast unmögliche Prüfung irgendwie zu bestehen. Die goldene Mitte scheint es fast nie zu geben. Es ist daher durchaus berechtigt zu fragen, ob die Noten in unserem Studium überhaupt eine präzise Aussage über unsere Leistungen treffen können. Was in der Schule nämlich schon immer galt, das ist an Hochschulen noch viel prekärer: Wer welche Noten bekommt, hängt in großen Teilen von denjenigen ab, die sie vergeben.

Gut und böse
Irgendwie ist das alles nicht ganz fair.

Eine jüngst veröffentlichte Studie der Universität Flensburg zeigt, dass die Noten an deutschen Universitäten im Allgemeinen immer besser werden. Das dürfte zwar einerseits für viel Freude bei einzelnen Studierenden sorgen, entwertet aber anderseits auch die Leistungen aller Beteiligten. Was ist eine 1,3 schließlich noch wert, wenn zehn andere Absolventen mit einer 1,0 davonziehen? In Norwegen werden schon Notenspiegel auf die Abschlusszeugnisse gedruckt, um eine Vergleichbarkeit einzelner Abschlüsse gewährleisten zu können.

Hund Abschluss
In manchen Studienfächern ist dieses Bild gar nicht so unrealistisch.

Ganz anders sieht es aber in Studiengängen wie Jura aus, dort ist nämlich so ziemlich das Gegenteil der Fall: Die Durchfallquote ist enorm, viele Studierende bestehen Klausuren erst bei wiederholtem Anlauf und selbst dann nur mit hart an der Grenze liegenden Noten. Da darf man sich durchaus fragen, bei wem hier die Schuld liegt. Sind es die Dozenten, die didaktisch versagen? Ist der Stoff des Fachs generell zu hart oder wird in zu kurzer Zeit gelehrt? Oder eignen sich schlichtweg ein Großteil der Studierenden nicht für ihren eingeschlagenen Weg? Fakt ist zwar, dass ein niedriger Notenspiegel die Leistungen der wirklich herausragenden Studierenden angemessen würdigt, problematisch ist allerdings auch, dass eine derart anspruchsvolle Vergabe letztendlich diejenigen diskreditiert, die vielleicht gar nicht so schlecht sind, wie es ihr Zeugnis vermuten lässt.

Bibliothek
Literaturliste für eine Jura-Klausur, Teil 1.

Insgesamt scheint es den Hochschulen und Universitäten demnach oft schwerzufallen, die goldene Mitte zu finden. Gerade seit Einführung der Bologna-Reform wird die Sinnhaftigkeit von Noten generell oft in Frage gestellt, derart einseitige Vergaben befeuern diese Debatte noch zusätzlich. Die Gründe für diese Umstände allein in den Leistungen der Studierenden zu suchen wäre viel zu banal, aber auch die Dozenten sind sicherlich nicht allein an dieser Misere schuld. Problematisch ist vor allem das System, in dem die Lehrenden wirken müssen. Teilweise werden sogar bessere Noten vergeben, nur um finanzielle Sicherheiten zu erhalten.

Keinen Bock zu lernen
Wieso sollte ich mich überhaupt anstrengen?

Wie so oft fühlt man sich in solch komplexen Konstrukten als einzelner Studierender hilflos. Wie soll man mit einem System umgehen, das viele unfair behandelt und dem man sich trotzdem mehr oder weniger fügen muss? Am besten ist vielleicht, seine Klausurergebnisse selbst nicht zu ernst zu nehmen. Denn am Ende des Tages sind wir einfach keine Zahlen auf einem Zeugnis, sondern vielschichtige Persönlichkeiten, die sich durch viel mehr auszeichnen als bloße Leistungen. Und wer das nicht erkennt, den müssen wir auch nicht unbedingt in unserem Umfeld vermissen. Trotzdem: In vielen Branchen sind die Noten auf dem Abschlusszeugnis immer noch ein entscheidender Faktor für die späteren Berufschancen. Deswegen sollten wir auf gar keinen Fall aufhören, uns zur Wehr zu setzen, wenn wir uns unfair behandelt fühlen. Sein Schicksal sollte jeder selbst in der Hand haben und keine Menschen, für die wir nur eine Matrikelnummer sind.

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