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Keine Fake-News: Ein Hamburger liebt Bremen!

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Mein ganzes Leben, also mittlerweile schon über 21 Jahre, lebe ich in Hamburg. Ich liebe diese Stadt! Ich genieße die sanfte Brise der Meeresluft, das kühle Astra in der Schanze und die berauschenden Konzerte in der Elbphilharmonie. Als waschechtes Nordlicht bin ich natürlich mit den drei essentiellen Grundregeln der Hansestadt vertraut. Erstens: Es gibt auf der ganzen Welt keinen derartigen kulinarischen Hochgenuss wie das Franzbrötchen. Zweitens: „Moin“ ist zu jeder Tageszeit angemessen, „Moin Moin“ ist Gesabbel. Und drittens: Bremen ist wie der dunkle Teil der Savanne in „König der Löwen“, den man niemals betreten darf. Und so sehr ich die Hamburger Attitüde auch befürworte und befolge, so wirklich konnte ich mich mit letzterem Punkt nie anfreunden. Nennt mich ruhig Ketzer, jagt mich aus der Stadt, ächtet mich! Ich bleibe dabei: Bremen ist schön!

Bremen

Diese Feststellung finde ich sogar ganz logisch, denn Bremen eint viele Merkmale, die wir Hamburger doch eigentlich an unserer eigenen Heimat so lieben. Die Stadt liegt zum Beispiel am Wasser, und die salzige Seeluft der Weser riecht garantiert genauso schön wie die der Elbe. Die norddeutsch-herzliche Attitüde der Bewohner findet man dort ebenso wie leckere Fischbrötchen. Und habt ihr euch schon einmal die Mühe gemacht, die Bremer Altstadt zu durchqueren? Die ist dort nämlich noch wesentlich ausgeprägter als in Hamburg, das zunehmend von immer mehr Neubauten dominiert wird. Dadurch gewinnt Bremen einen Charme, den Hamburg – man höre und staune – tatsächlich nicht bieten kann.

Bremen
Guckt mal, ist das nicht voll schön?

Für viele sind aber vielleicht auch gerade die Parallelen zum Hamburger Leben der ausschlaggebende Grund, aus dem Bremen nur pure Abscheu auslösen kann. Denn alles, was Bremen hinter seinen Toren beherbergt, wirkt in den Augen zahlreicher Hamburger wie eine lieblose Kopie ihrer Stadt. Leute mit dieser Ansicht schwören aber auch, dass Coca-Cola eindeutig besser als Pepsi ist und dass weiße T-Shirts nur cool sind, wenn sie aufgrund eines winzigen Lacoste-Krokodils Unsummen kosten. Was ich damit sagen will: Anstatt seine Heimat als unschlagbares Original zu glorifizieren, sollte man vielleicht anfangen, Metropolen losgelöst voneinander zu betrachten. Mit weniger starrem Blick kann man nämlich auch feststellen, welche eigenen Vorzüge jede Stadt für sich hat.

Werder
Ob’s euch gefällt oder nicht: Werder hat den Klassenerhalt schon sicher!

Denn wenn man mal ehrlich ist, dann ist die Abneigung für Bremen doch mindestens so irrational wie die Feindschaft zum verfeindeten Fußballverein. Apropos: In diesem Punkt kann man Bremen als Hamburger zur Zeit wohl auch nur mit gesenktem Haupt entgegentreten, denn laut der aktuellen Bundesliga-Tabelle ist tatsächlich Werder die Nummer Eins im Norden. Dem könnte man nun erneut mit Missgunst begegnen – oder aber man freut sich einfach, dass man sich auch außerhalb seiner Heimatstadt wohlfühlen kann. Wenn man denn nur möchte.

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