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Gefesselt ans Smartphone: Kostet uns die digitale Welt unser Studium?

Smartphones haben unseren Alltag erobert. Die kleinen Taschencomputer helfen uns bei vielen täglichen Aufgaben, beschleunigen unseren Informationsaustausch und bringen uns im Sekundentakt mit immer neuem Content in Verbindung. So praktisch dieser technische Fortschritt auch ist, so groß ist gleichzeitig die Gefahr, uns darin zu verlieren. Zwar könnten wir uns mit unseren Handys theoretisch durchgehend über das politische Weltgeschehen auf dem Stand halten, de facto begeistern wir uns aber vor allem für das 87. Meme, das uns ein Freund geschickt hat. Kein Wunder: Derart leichte Kost ist eine hervorragende Realitätsflucht aus dem oft komplizierten Alltag – und auch aus der anstrengenden Vorlesung.

Social Media

Wie sozial ist Social Media wirklich?

Eigentlich bescheuert, dass wir uns von einem Studium ablenken wollen, für das wir uns freiwillig entschieden haben. Trotzdem ist das allgegenwärtige Realität. Viele Studierende scrollen unter ihrem Tisch lieber ziellos durch die sozialen Welten auf ihren Smartphones, als dem Vortrag Gehör zu schenken. Einen Dozenten aus Freiburg hat das so sehr gestört, dass er in seinen Vorlesungen jetzt „Smartphone-Pausen“ eingeführt hat. Alle 30 Minuten dürfen die Studierenden für eine Minute auf ihr Handy schauen. Dr. Reinhold Haug, der Initiator des Experiments, zeigt sich mit dessen Ausgang zufrieden. Seine Studierenden seien durch die Pause wieder diskussionsfreudiger und aufmerksamer geworden.

Smartphone-Pause

Jetzt kurz ’ne Smartphone-Pause.

Haugs Versuch ist ein interessanter neuer Lösungsansatz für ein mittlerweile allgegenwärtiges Problem. Aber wieso ist er überhaupt nötig? Könnten wir uns nicht ganz einfach selbst regulieren? Keiner zwingt uns, mal 90 Minuten nicht auf dem aktuellen Stand zu sein. Und doch kann wohl fast jeder von uns die Verlockung hinter den blinkenden Bildschirmen nachvollziehen. Auch im absoluten Traum-Studium gibt es immer mal wieder Veranstaltungen, die eher weniger bereichernd sind. Da liegt es nahe, sich lieber dem kurzweiligen Facebook-Feed zu widmen. Und schnarchigen Dozenten nicht zuzuhören ist mit Sicherheit nicht erst seit der Erfindung des Smartphones in Mode. Wirklich problematisch wird die Sache aber erst, wenn wir auch in eigentlich spannenden Vorlesungen zum Handy greifen, weil wir aus einem irrationalen Gefühl heraus glauben, jetzt unbedingt auf einen Bildschirm starren zu müssen.

Vorlesung

Das ist alles schwierig, aber vielleicht hilft es uns auch?

Haug sagt, er habe festgestellt, dass seine Studierenden die Smartphone-Pause gerne als Reflexionsmoment nutzen. Aber ob das die ganze Wahrheit ist? Ist unser Handy nicht in Wahrheit oft auch die einfachste Möglichkeit, vor komplizierten Problemstellungen zu flüchten? Unser Studium soll uns schließlich nicht nur berieseln, sondern uns vor tiefgehende Fragestellungen führen, deren Antworten nicht auf den ersten Blick erkennbar sind. Das erfordert Einsatz – und wenn wir dabei dauernd nur auf unser Smartphone schauen, machen wir es uns zu leicht. Wir sollten wieder lernen, unser Gehirn zu fordern und uns nicht auf den ersten Blick von Schwierigkeiten abschrecken lassen. Wenn uns das gelingt, dann brauchen wir auch keine aus der Not heraus geschaffenen Smartphone-Pausen. Und dann können wir auch wieder ein Horizonte erweiterndes Leben außerhalb sozialer Netzwerke führen.

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