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Uni oder Ausbildung: Sind Studierende wirklich glücklicher?

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Studieren liegt im Trend. Mittlerweile gibt es allein in Deutschland knapp 20.000 verschiedene Studiengänge und es werden stetig mehr. Die Universität ist längst kein Ort mehr, den nur die absolute Spitzenklasse der Schulabgänger besucht, sondern fast schon Karriere-Mainstream. Das liegt nicht nur am immer höher werdenden Anteil der Abiturienten in Deutschland, sondern auch daran, dass sogar Schülern ohne Abitur immer mehr Türen geöffnet werden. Bei einem solchen Ansturm an Hochschulen und Unis fällt es immer schwerer, gegen den Strom zu schwimmen. Studieren wirkt wie das Pflichtprogramm zur erfolgreichen Laufbahn und Ausbildungen verkommen zur ungeliebten Alternative für diejenigen, die einem Studium nicht gewachsen sind. Aber muss man wirklich den akademischen Weg gehen, um ein glückliches Leben zu führen?

Hörsaal
Studieren wird immer beliebter.

Grundsätzlich ist an der breit gefächerten Öffnung der Universitäten natürlich nichts auszusetzen. Im Gegenteil, es ist toll, dass immer mehr Menschen die Möglichkeit haben das zu tun, was sie sich wünschen. Trotz der kontinuierlichen Inflation der NCs in bestimmten Fachgebieten gibt es gleichzeitig immer mehr Alternativen, in denen wohl fast jeder seine Interessen in irgendeiner Weise repräsentiert sieht. Das Problem ist daher nicht der Uni-Boom direkt, sondern vor allem die gesellschaftlichen Sichtweisen, die dieser mit sich bringt.

Bücher wälzen ist nicht jedermann’s Sache.

Denn das Dilemma liegt vor allem in der Tatsache, dass Ausbildungsberufe heutzutage im Vergleich zum Studium nicht mehr als gleichwertig anerkannt werden. Dadurch geraten viele nach ihrer Schullaufbahn in ein Dilemma: Ist es überhaupt akzeptabel, nicht zu studieren, wenn ich die Möglichkeit dazu hätte? Kann ich in einer Ausbildung so glücklich werden wie an einer Uni? Diese Fragen existieren mit Sicherheit nicht erst seit der immer stärker werdenden Popularität der akademischen Karriere, problematisch ist aber, dass man diese kaum noch selbst beantworten darf, sondern von außen aufgedrückt bekommt. Das Credo „Studieren geht vor Lehre“ sollte keine allgemeingültige Prämisse sein, vielmehr sollten wir uns alle selber fragen, welcher für uns der richtige Weg ist.

Entscheidungen
Gesellschaftlicher Druck macht Entscheidungen nicht gerade leichter.

Es ist nämlich viel zu eindimensional gedacht, verschiedene Karrierepfade einfach hierarchisch zu sortieren. Studium und Ausbildung sollten als zwei verschiedene Optionen gesehen werden, die beide ihre Daseinsberechtigung haben und sich durch Vor- und Nachteile voneinander abgrenzen. Eine Ausbildung beginnen viele etwa, weil sie ein Handwerk ganz praktisch und lebensnah erlernen wollen, weil sie gleich von Anfang an Geld verdienen wollen oder weil sie nach einem Weg suchen, der klarer definiert ist als der von vielen Studiengängen. Und in manchen Berufen nützt einem ein Studium auch absolut gar nichts. Das muss natürlich nicht jedermanns Sache sein, aber wieso sollten wir deswegen diejenigen diskreditieren, für die dieser Weg die bessere Möglichkeit ist? Oft sind es dann nämlich sogar die Studierenden, die mit Mitte 20 gegenüber denjenigen alt aussehen, die sich für eine Ausbildung entschieden haben. Während man in einer akademischen Karriere in diesem Alter oft immer noch in Vorlesungen herumkrebst und den Abschluss aus Zukunftsangst hinauszögert, haben Auszubildende ihre Lehrzeit meist längst abgeschlossen und können sich problemlos einen All-Inclusive-Urlaub leisten.

Lernen
Viele Wege führen zum Ziel.

Lasst euch also nicht von irgendwelchen Menschen in eurem Umfeld vorschreiben, was ihr zu tun und zu lassen habt. Studiert, wenn ihr Lust darauf habt! Aber schämt euch auch nicht dafür, wenn ihr nach zwei Semestern voller trockener Vorlesungen doch merkt, dass ihr lieber in einem Ausbildungsberuf anpacken würdet. Die Gestalter unseres Lebens sind immer noch wir selbst – und das ist gut so.

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