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Leere beim WG-Casting: Gibt es in Hamburg gar keine Wohnungsnot?

Wer in Hamburg sein Zimmer auf einem der einschlägigen Online-Portale zum Vermieten einstellt, der fühlt sich manchmal wie ein Stück Fleisch in einem Piranha-Becken. Wer ein halbwegs erschwingliches Angebot hat, der kann sich vor Nachrichten und Anrufen im Minutentakt oft kaum retten. So hatte der Autor dieses Artikels jüngst ein Zimmer in seiner WG zu vergeben und sammelte bereits am ersten Tag über 50 Anfragen. Für den Angebotssteller stellt all dies zwar einerseits eine große organisatorische Herausforderung dar, ist auf der anderen Seite aber natürlich auch ein angenehmer Luxus. Je mehr Interessenten es für ein Gesuch schließlich gibt, desto wahrscheinlicher ist es, dass unter dieser Riege auch die richtige Person dabei ist. Gleichzeitig zeigt diese massive Flut an Bewerbern natürlich auch die massive Wohnungsnot, in der sich der Hamburger Markt noch immer befindet – oder?

Speicherstadt

OK, wir können nicht alle in der Speicherstadt wohnen. Aber warum nicht wenigstens Billstedt?

Ganz anders sieht die Realität nämlich oft aus, wenn man seine Lieblingsbewerber schließlich zum WG-Casting einlädt. Auf eine schriftliche Anfrage antworten die meisten noch, sobald dann aber ein Termin in der kommenden Woche ausgemacht ist, scheint das Erscheinen der Eingeladenen einem Glücksspiel zu gleichen. Regelmäßig kommen Bewerber schlicht nicht zum vereinbarten Termin, obwohl sie sich noch wenige Tage vorher freudig über die Einladung gezeigt hatten. Eine Absage ist dabei auch eher die Ausnahme. Über die Gründe dafür kann deshalb stets nur spekuliert werden. Aber nach Wohnungsnot sieht dieses Verhalten nicht gerade aus.

Warten

Warum kommen die nur alle nicht?

Vermutlich spielt die allgegenwärtige Panik darum, nicht mehr rechtzeitig ein Zimmer zu bekommen, aber doch in diese kurzfristigen Absagen mit ein. So scheint es durchaus üblich zu sein, sich auf wirklich jede Anzeige erstmal zu bewerben, die auch nur halbwegs ins eigene Konzept zu passen scheint. Erst, wenn dann Antworten kommen, selektiert man ernsthaft – zum Leidwesen der Angebotssteller und anderen Mitbewerber, die das Zimmer vielleicht wirklich gewollt hätten. Gleichzeitig ist es aber natürlich auch denkbar, dass sich die Pläne des Bewerbers mittlerweile geändert haben oder dass er gar ein anderes Zimmer gefunden hat. Eine klare Prognose für die Wohnungslage kann man aus diesen Begebenheiten also nur schwer ziehen – gewiss ist nur, dass dieses Benehmen die ohnehin schon beschwerliche Zimmervergabe nur noch komplizierter macht.

Ruhige Lage, 600 Euro kalt.

Ruhige Lage, 600 Euro kalt.

Der Deutsche Mieterbund jedenfalls zeigt sich pessimistisch. In der Schaffung neuer Wohnungen gehe es nicht voran, schon bald könnten sich demnach 30 Prozent der Hamburger ihre Mieten nicht mehr leisten. Daran etwas zu ändern muss Aufgabe der Politik sein. Uns bleibt unterdessen nur, trotz aller geschürter Panik vor Wohnungslosigkeit, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nehmt deswegen Rücksicht auf eure Mitbewerber, bewerbt euch nur auf Angebote, wenn ihr euch wirklich für sie interessiert, und sagt ab, wenn ihr zu einem Treffen doch nicht erscheinen könnt oder wollt. Wer so rücksichtsvoll und fair ist, dem gibt man sowieso am liebsten ein WG-Zimmer.

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