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Was wären wir ohne dich? Ein Liebesbrief an die Deadline

Geliebte Deadline,

fast mein ganzes Leben bist du schon ständiger Begleiter an meiner Seite und würdest niemals von mir weichen. Du trittst in mannigfaltiger Form in mein Leben, lächelst mir in Form von Hausarbeiten und Referaten entgegen, folgst mir im Studium und auf der Arbeit und setzt mich sogar in den alltäglichsten Momenten in Bewegung – wenn ich zum Beispiel meine Tiefkühlpizza aus dem Ofen hole. Dass du nicht nur mein exklusiver Weggefährte bist, sondern auch jedem anderen Menschen beiwohnst, ist mir ganz egal. Immerhin fühlst du dich für jeden anders an, und monogame Beziehungen sind ja eigentlich sowieso eine gesellschaftliche Illusion.

Ich jedenfalls liebe dich, weil ich dich brauche. Von vielen wirst du verflucht, weil du ihnen zu knapp kommst oder du sie in Stress versetzt. Aber genau das gefällt mir so an dir. Du lässt mich Dinge tun, die ohne dich außerhalb meiner Möglichkeiten lägen. Niemals würde ich mich zum Beispiel einfach so an eine Hausarbeit setzen – selbst dann nicht, wenn mich das Thema eigentlich brennend interessiert. Aber wenn du ganz nah bist, dann weiß ich, dass es ernst wird. Du bringst mich dazu, die Belastungen einiger Wochen innerhalb weniger Stunden zu vollbringen. Kein Energydrink und kein beinhartes Training der Welt könnten mich zu solchen Leistungen anspornen, wie du es vermagst.

Dabei erschaffst du mir aber nicht nur Ansporn, sondern sorgst auch immer wieder für Erleichterung. Dank dir muss ich nicht dauernd an irgendwelche Arbeiten denken, die noch in der fernen Zukunft liegen, sondern kann mit Gewissheit sagen, dass ich dafür noch eine Menge Zeit habe. Du bist in der Lage, mein ganzes Leben für mich zu koordinieren, meine Belastungen auf kurze, schnell verstreichende Stress-Perioden zu verteilen und mir so ein insgesamt ruhiges und beschauliches Leben zu geben. Menschen, die dich verfluchen, sind wohl auch diejenigen, die dir um jeden Preis nicht ins Auge blicken wollen, die immerzu in Panik an dich denken müssen und ständig an Strategien arbeiten, um dir aus dem Weg zu gehen. Ich bin anders. Ich möchte dir so nah wie möglich sein. Deswegen gebe ich mir Mühe, alle Belastungen möglichst weit aufzuschieben, um deine Macht dann in voller Blüte zu erleben.

Trotzdem möchte ich, dass wir uns nicht falsch verstehen. So sehr ich dich auch verehre, so klar verstehe ich unsere Beziehung auch als platonische Angelegenheit. Ich würde niemals deine Grenze überschreiten oder dir viel zu nah kommen – das wäre für uns beide nicht gesund. Ein klein wenig Distanz tut uns dann doch gut. Meine Liebe zu dir wird dadurch aber nicht geschmälert. Liebe Deadline, ich freue mich schon, wenn wir uns das nächste mal wieder annähern. Bis dahin ist aber noch Zeit – und die werde ich genießen.

In Liebe,
dein Jakob

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