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Ghostwriting statt Herzblut: Wo ist unser Forschungsgeist geblieben? Ein Kommentar.

Wer in den sozialen Medien seinen Status als Studierender offenbart hat und dort regelmäßig unterwegs ist, dem ist mit Sicherheit schon einmal die Anzeige eines mehr oder weniger dubiosen Ghostwriting-Services im Feed angezeigt worden. Es kann so einfach sein: Heutzutage muss sich kein Studi mehr mit mühevollem Recherchieren herumschlagen, stattdessen engagiert er einfach kurzerhand einen fachkundigen Schreiberling, der die Arbeit schnell und effektiv für ihn erledigt. Das fängt bei gewöhnlichen Hausarbeiten an und muss dort nicht aufhören: Wer etwas tiefer in die Tasche greift, bekommt sogar seine Bachelor- oder gar Master-Arbeit geliefert. Im vergangenen Jahr hatten unsere Rostocker Kollegen bereits zum Thema Ghostwriting recherchiert und dabei herausbekommen, zu welch exorbitant hohen Summen diese Dienste zur Verfügung gestellt werden. Offenbar haben viele Studis dieses Geld aber trotzdem locker. Das sollte uns Sorgen machen.

Kann man sich über einen Abschluss freuen, den man gar nicht selbst zu verantworten hat?

Zum einen ist Ghostwriting nicht nur gesetzlich wie moralisch äußerst fragwürdig, sondern vor allem unfair gegenüber allen Kommilitonen, die tatsächliches Herzblut in ihre Arbeiten stecken. Die Universitäten sind ohnehin schon überflutet, wer da herausstechen will, der muss sich wirklich Mühe geben. Wie frustrierend ist es dann, wenn man gegen Studis verliert, die einfach mehr Geld haben als man selbst? Der Konkurrenzdruck wird durch dieses Vorgehen nicht gerade geringer – immerhin ist die Abschlussnote in einigen Studiengängen tatsächlich sehr entscheidend für die berufliche Zukunft. Außerdem wird der Wert derjenigen Arbeiten, die wirklich mit Liebe und Sorgfalt entstanden sind, so komplett zerstört – immerhin könnte man dasselbe Ergebnis ja auch einfach mit ein bisschen Kohle erzielen.

Wieso geben wir uns nicht mal mehr die Mühe, selbst durchs Mikroskop zu schauen?

Noch viel bedenklicher ist aber die Motivation hinter einer solchen Vorgehensweise. Ist das selbstständige Beschäftigen mit Sachverhalten nicht eigentlich der Sinn eines wissenschaftlichen Studiengangs? Sollte die Motivation hinter einer Hausarbeit nicht eigentlich die Arbeit an sich sein? Scheinbar ist das Verfassen eines wissenschaftlichen Textes für viele Studis nur noch eine notwendige Hürde zum Erreichen der Abschlussnote. Wer für seinem Studiengang aber keine Begeisterung aufbringen kann, der ist in seinem Fach eigentlich falsch. Umso trauriger, wenn solche Menschen ihren Abschluss dann trotzdem mit Auszeichnung machen und man selbst vielleicht nur auf einem ordentlichen Level ist. Wir müssen wieder zu einer Universität kommen, an der die Studis auch für das Studium leben und nicht nur für das, was danach kommt. Wir brauchen ein Studium, in dem Forschungsgeist das maßgebende Motiv ist und nicht das Streben nach guten Noten. Dazu müsste sich das Hochschul-System ändern, aber auch wir selbst – schade, dass das für viele offenbar keine Option ist.

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