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Von wegen Regelstudienzeit: Warum langsame Studis oft die besten sind

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Seit Bologna ist die Universität nicht mehr wirklich der Ort, an dem sich niemand wundert, wenn man 27 Semester für seinen Abschluss braucht. Das Phantom des Dauerstudierenden hat sich in den letzten Jahren aufgelöst, was damals niemanden so wirklich gestört hat, wird heute von der Prämisse der Regelstudienzeit überdeckt. Wenn es wahlweise nach dem Staat, den Arbeitgebern oder den Eltern geht, sollen wir mit unserem Studium so fix wie möglich durch sein, damit wir so schnell es geht in die Berufswelt einsteigen können. Studis, die diesem Anspruch nicht gerecht werden, müssen sich oft Vorwürfe der Faulheit gegenüberstellen – dabei trifft das gar nicht unbedingt zu.

Im Gegenteil sind sogar oft diejenigen am Ende die klügsten Studierenden, die sich für ihren Aufenthalt an Universität oder Hochschule ausreichend Zeit lassen. Die Frage sollte schließlich grundsätzlich nicht lauten, wie lange man für sein Studium braucht, sondern vielmehr, wofür man eventuelle zusätzliche Zeit benötigt. Denn – die Älteren unter euch werden sich erinnern – Studieren hatte einmal etwas mit persönlicher Entfaltung zu tun. Wer sich nur an einen durchdiktierten Stundenplan hält, der kann dieser Chance aber kaum Raum zum Wachsen geben. Studierende, die sich mehr Zeit für ihr Studium nehmen, beschäftigen sich entgegen der Erwartung vieler nicht zwangsweise weniger mit ihrem Fach, sondern im Gegenteil sogar mehr. Wer länger studiert, der hat die Möglichkeit, am Ende nicht nur tiefer in sein Thema einzutauchen, sondern darüber hinaus ganz für sich allein herauszufinden, welche speziellen Bereiche ihn am meisten interessieren.

Sehen so Studierende aus, die nicht in Regelstudienzeit fertig werden?

Wer außerdem mit dem Berufsleben für die Regelstudienzeit argumentiert, der sollte sich vor Augen führen, dass manche Studis länger für ihren Abschluss brauchen, weil sie sich neben dem Studium auch noch mit ihrer beruflichen Orientierung beschäftigen. Viele Studierende arbeiten neben der Uni bereits in Arbeitsfeldern, die sich im Kosmos ihrer angestrebten Karriere befinden. Wer das tut, dem kann man wohl kaum Faulheit, sondern im Gegenteil übermäßigen Fleiß bescheinigen. Manche Studis haben außerdem kaum eine Wahl, als neben der Uni noch viel zu arbeiten, weil ein Studium schlichtweg Geld kostet. Insofern ist es umso bitterer, dass sich die Bezuschussung mit BAföG auf die Regelstudienzeit bezieht und trotzdem oft nicht ausreicht.

Wer also alle Regelstudienzeit-Sprenger als faul abtut, der wird der Realität oftmals keineswegs gerecht. Und selbst wenn Studierende sich einfach nur Zeit lassen wollen, um nicht im Eiltempo durch ihr Studium zu hetzen – wer will es ihnen verdenken? Das Leben wird später noch mehr als genug Taktung für sie bereithalten.

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