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In der Uni und nichts zu essen – eine Leidensgeschichte

Eigentlich sollte ich mich ja nicht mehr darüber beschweren, und trotzdem kann ich nicht umhin, regelmäßig meine katastrophale Morgen-Routine zu bejammern. Dass das Frühstück die wichtigste Mahlzeit des Tages ist, haben mir in meiner Schulzeit wirklich genug Lehrer beigebracht, und eigentlich finde ich Brötchen am Morgen ja auch wirklich ganz fantastisch. Aber irgendwas kommt ja doch immer dazwischen. Klassiker: Am Vorabend um 23 Uhr feststellen, dass man gar keine Brötchen im Haus hat. Oder aber die aktuelle Netflix-Serie war mal wieder so spannend, dass ich den Wecker lieber auf die letztmögliche Zeit stelle, anstatt mir morgens ordentlich etwas zu machen. Wenn ich ganz fancy bin, habe ich vielleicht wenigstens noch etwas Obst im Haus, dass ich auf dem Weg snacken kann. Aber wirklich sättigend ist das auch nicht und kompensiert obendrein nicht den frustrierenden Fakt, dass ich mein Frühstück noch nicht mal auf die Reihe kriege, wenn ich meinen Wecker rechtzeitig stelle. In diesen seltenen Fällen liege ich nämlich entweder für Ewigkeiten verpennt im Bett und scrolle ironischerweise durch meinen Insta-Feed voller Foodblogger, oder das morgendliche Duschwasser ist einfach zu angenehm.

In der Uni angekommen will ich dann als Ersatz wenigstens fix etwas beim Edeka-Markt am Dammtor holen, bis mir einfällt, dass es den ja gar nicht gibt. Also habe ich keine Wahl, als mich hungrig in die erste Vorlesung zu setzen. An das regelmäßige Scheitern am morgendlichen Frühstückstisch hat sich mein Körper mittlerweile gewöhnt, deswegen meckert mein Magen zu diesem Zeitpunkt noch eher verhalten. Spätestens zur Mittagsstunde macht er sich dann aber doch mit mehr Vehemenz bemerkbar. Also zücke ich meine Mensa-App und stelle fest, dass es veganes Essen heute mal wieder nur an der Gemüsebar in der Schweinemensa gibt. Also heute mal wieder Magen ohne Soße stopfen – aber immerhin kann man von der Salatbar noch Rotkraut drauf packen, das gibt wenigstens ein bisschen Saftigkeit.

Auf Stock-Photos sieht die Welt so einfach aus.

In der Mensa angekommen stelle ich natürlich fest, dass ich noch immer einen Uni-Ausweis aus uncoolem Papier habe und nicht wie in jeder anderen Mensa der Welt mit meinem Studi-Ausweis bezahlen kann. Bargeld führe ich im Jahr 2019 natürlich nicht mehr regelmäßig mit mir, also muss ich umkehren und zur ein paar hundert Meter entfernten Postbank gehen. Wenn man Haspa-Kunde wäre, könnte man ja direkt in der Mensa abheben, aber das wäre ja auch zu einfach. Einige Minuten später sitze ich vor meinem wahllos zusammengewürfelten Teller aus Nuss-Kartoffeln, Brechbohnen und Mandel-Brokkoli (und Rotkraut!), der sich irgendwie nicht sonderlich stimmig anfühlt und auch das Hungergefühl in meinem Magen nicht gerade befriedigt. Also renne ich noch zum nächsten Becker, um mir schnell zwei Laugenstangen reinzupfeifen – die sind halbwegs günstig und stopfen für eine kurze Zeit.

Am Abend schaue ich auf meine Bilanz: Ich habe für ziemlich wenig Essen ziemlich viel Geld ausgegeben. Mein Tag war bestimmt von Hungergefühl und der Suche nach Befriedigung, Stress und dem Problem, das alles zwischen zwei Vorlesungen zu quetschen. Und das alles könnte verhindert werden, wenn ich einfach etwas disziplinierter aufstehen oder am Abend vorausschauender vorbereiten würde. Das könnte man echt mal ändern. Ich fange gleich nach dieser Netflix-Folge damit an!

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