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Protest um ESA West-Gebäude: Darf die Uni uns einfach so unsere Seminarräume klauen?

Wer in den Geisteswissenschaften studiert, muss in letzter Zeit noch deutlicher als sonst das Gefühl haben, von der Universität Hamburg nicht ernst genommen zu werden. Erst im vergangenen Semester mussten die Musikwissenschaften für viele Wochen Umbauten und Umzüge hinnehmen, weil ihr Gebäude für die Tagung des Wissenschaftsrats schick aussehen sollte. Nun das nächste Ereignis: Für eine Konferenz der EMAC (European Marketing Academy) wird das ESA West-Gebäude für mehrere Tage blockiert. In Folge dessen müssen viele Veranstaltungen der Kunstgeschichte in andere Räume verlegt werden, die teilweise nicht den Anforderungen an eine qualitative Lehrveranstaltung genügen – darunter sind zum Beispiel Konferenzräume von Hotels, ebenso, wie es auch bei den Musikwissenschaften der Fall gewesen war. Viele betroffene Studierende fühlen sich zweitklassig behandelt und organisieren deswegen Sitzstreiks, die jeden Morgen ihren Protest gegen die Maßnahmen der Universität ausdrücken. Am Eingang des ESA Wests hängen seit dieser Woche Transparente, die sich äußerst kritisch gegenüber der Konferenz äußern.

Nicht zum ersten Mal müssen die Geisteswissenschaften um ihre Daseinsberechtigung kämpfen. Bereits 2016 wurde das ESA West für eine Konferenz aus dem medizinischen Bereich beansprucht. Das damalige Sommersemester wurde deswegen sogar eine Woche früher beendet, anstatt die Kurse wenigstens auf externe Räume auszulagern – eine durchaus diskreditierende Maßnahme. Problematisch ist außerdem, dass das ESA West eine Schenkung der Dr. Helmut und Hannelore Greve Stiftung für Wissenschaft und Kultur ist – und in diesem Sinne eigentlich für kulturbezogene Veranstaltungen gedacht war. Es ist also durchaus diskutabel, ob eine Veranstaltung zum Thema Marketing diesem Zweck entspricht.

Der Ärger der Studierenden lässt sich also nachvollziehen. Zwar scheint es die Geisteswissenschaften noch regelmäßiger als andere Fachbereiche zu treffen, dennoch scheint sich gerade in den letzten Monaten eine generelle Unzufriedenheit im Bereich der Lehre breitzumachen – auch die Proteste im Rahmen von „HWP besetzt“ hatten schließlich den unzureichenden Willen der Universität zu einer kritischen Bildung thematisiert. Wird die Uni dem zweiten Teil ihres eigenen Wahlspruchs „Der Forschung. Der Lehre. Der Bildung.“ überhaupt noch gerecht?

Ob die Proteste der Studierenden des ESA Wests wirklich einen nachhaltigen Effekt haben werden, muss die Zukunft zeigen. Aufmerksamkeit haben sie auf jeden Fall bereits erregt, auch bei Uni-Präsident Dieter Lenzen. Wichtig ist in jedem Fall, dass wir Studierende für unsere Rechte kämpfen und uns nicht zu Forschenden zweiter Klasse degradieren lassen – ohne uns könnte nämlich weder die Universität Hamburg noch der gesamte Wissenschaftsbetrieb auskommen.

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