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Verkehrte Welt? Wenn Profs die schlimmeren Studis sind

Es ist der 31. März um 23:56 Uhr. Das Semester dauert noch vier Minuten und in ganz Deutschland drücken gerade gleichzeitig hunderte Studis in ihrem E-Mail-Programm auf die „Senden“-Taste, um in allerletzter Minute noch ihre in den letzten drei Tagen geschriebene Hausarbeit einzureichen. Erschöpft fallen sie mit dem Kopf auf die Tastatur und holen quasi sofort die 20 Stunden Schlaf nach, die sie in den letzten Nächten verpasst haben. Um sie herum stapeln sich Berge aus zerknüllten Zetteln mit wilden Notizen, eine Mauer aus unnötig dicken Wälzern an Literatur und leeren Energydrink-Dosen bildet das Fundament für eine Arbeit, die gerade so auf die vorgegebene Mindestseitenzahl gekommen ist. Die Gefahr der 5,0 ist abgewendet, aber wie immer bleibt ein Gefühl des schlechten Gewissens – beim nächsten Mal muss man vernünftiger planen. Warum hat man so spät angefangen? So großer Stress für so mangelhafte Qualität einer dahingerotzten Arbeit hätten doch wirklich nicht sein müssen.

Es ist durchaus berechtigt, wenn wir uns nach so einem Trip schlecht fühlen, und doch kommt die Pointe dieser Geschichte eigentlich erst, wenn wir sehen, wie unsere Profs im Anschluss ihrerseits ihre Arbeit erledigen. Dann nämlich, wenn die Korrektur unserer Arbeit plötzlich Monat für Monat auf sich warten lässt. Mitunter schreiben wir schon im wieder eine neue Hausarbeit beim selben Dozenten, während dieser noch nicht einmal unsere frühere Arbeit gelesen hat. Nach sechs Monaten klopfen wir vielleicht das erste Mal vorsichtig an, was denn nun mit unserer Note ist – und werden freundlich, aber bestimmt auf „demnächst“ vertröstet. Ein Semester später ist die Note noch immer nicht in Stine. Wir haken weiter nach, denn eigentlich wollen wir so langsam gerne unsere Bachelor-Arbeit anmelden, aber unser Prof hat noch immer zwei unserer Arbeiten auf seiner Liste, die nicht korrigiert wurden. Seltsam, da muss es wohl „Stine-Probleme“ gegeben haben (gut, in der Tat keine ganz schlechte Ausrede).

Professor

„Die Note ist nicht in Stine? Seltsam, die habe ich längst eingetragen.“

Der Punkt ist, dass wir uns zwar immer anhören müssen, eine ganz miese Arbeitstaktung zu haben, unsere „Vorgesetzten“ sich aber trotzdem gerne durch eine mindestens ebenbürtige Trantütigkeit auszeichnen. Bei den meisten Arbeiten haben die Profs ja noch nicht einmal eine Deadline – da sind dann die interessanten Forschungsthemen doch ein bisschen interessanter als die lästige Korrektur einer mittelmäßigen Studi-Hausarbeit. Irgendwie können wir sie ja auch verstehen, das Beispiel der anzumeldenden Bachelor-Arbeit zeigt aber, dass wir am Ende die Leidtragenden sein können – und das ist ganz schön frech, vor allem, wenn ansonsten penetrant auf Deadlines bestanden wird. Vielleicht sollten wir deswegen einerseits alle lernen, im gegenseitigen Umgang etwas gelassener miteinander umzugehen. Und gleichzeitig könnten wir beim nächsten Mal echt früher anfangen – nicht wahr, lieber Dozent?

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