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Hier ist das Studium noch echt: Ein Liebesbrief an Bibliotheken

Bibliothek

Wer an einen typischen Professor denkt, der ärgert sich vielleicht erst einmal darüber, dass ihn dieses Stichwort sofort zum stigmatisierten Klischee des weißen, alten Mannes mit Rauschebart führt. Wer über dieses Ärgernis hinwegkommt und sich selbst beteuert, von jetzt an umdenken zu wollen, der konzentriert sich bei der Vorstellung dann vielleicht auch noch weiter auf die Umgebung, in der er sich dieses Abziehbild vorstellt. Die Chancen stehen gut, dass es auch bei dir eine Bibliothek ist, während du dieses Gedankenspiel beim Lesen dieses Textes gerade unbewusst mitmachst. Bibliotheken sind für Studierende wie das Bernsteinzimmer, ein sagenumwobener Ort voller Wissen, vergilbtem Papier und muffiger Gerüche, die aber irgendwie auch ein wohliges Gefühl von Heimat vermitteln. Das Schöne: Im Gegensatz zu vielen Klischees und Fabelwelten sind Bibliotheken tatsächlich ein realer Bestandteil vieler Studiengänge, eine Säule des täglichen Lernens – und das ist großartig so!

Denn auch, wenn wir uns seit Bologna immer wieder penetrant über die Verschulung der Universität ärgern und keine Lust mehr darauf haben, ständig alles vorgehalten zu bekommen, gibt es mit der Bibliothek doch ein Refugium, in dem wir vor diesem ganzen Irrsinn sicher sein können, sofern wir nur wollen. In diesen heiligen Hallen des bedruckten Papiers schreibt uns niemand vor, was uns zu interessieren hat oder wo wir danach zu suchen haben – hier können wir diesen Prozess ganz selbst in die Hand nehmen. Das Wissen in Bibliotheken ist unzensiert und ungefiltert. Ein enormer Wissensschatz wartet darauf, von uns entdeckt zu werden und bietet uns eine selbstständige Exploration, die in unserem Studium eigentlich die selbstverständliche Grundlage sein sollte.

Und natürlich kennen wir alle die unterschiedlichen Gesichter der Bibliotheken: Die Verzweifelten, die ein Referat noch ganz schnell am Vorabend erledigen müssen. Die viel zu Eifrigen, die hinter einem gewaltigen Stapel aufgetürmter Bücher kaum noch zu erkennen sind. Die Abgelenkten, die alle zehn Minuten mal einen Absatz ihrer Lektüre lesen, aber dann wieder gedankenverloren auf ihr Smartphone starren. Sie alle verfolgen ganz unterschiedliche Ziele und würden wohl auch nicht alle für die Bibliothek als den besten Ort der Welt argumentieren. Und dennoch sind sie alle dort, weil sie es können und weil es eben keinen besseren Ort für das gibt, was sie gerade tun. Und das ist wunderbar.

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