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Krux der Masterarbeit – ist unsere Abschlussschrift eigentlich unnötig?

Ein Freund berichtete mir vor einiger Zeit von seiner aktuellen Studiensituation und gab mir damit einiges an Gedankenmaterial. Nach vielen Semestern an der Uni stand er endlich an dem Punkt, seine Masterarbeit zu schreiben. Nur noch eine Hürde war zu bewältigen, dann hätte er seinen Abschluss in der Tasche – und doch hatte er diesen Schritt seit vielen Monaten hinausgezögert. Die Idee für ein Thema war nach einigen Monaten immerhin gefunden und doch hatte mein Freund eigentlich keine Motivation, seine Gedanken auf vielen Seiten schriftlich festzuhalten. Sein Studium hatte bis dato nur aus Klausuren bestanden, abgesehen von seiner Bachelor-Arbeit hatte er in seiner gesamten Uni-Karriere noch nie eine schriftliche Arbeit verfassen müssen – die Hürde zur Masterarbeit war also noch höher als bei manch anderen Studiengängen. Der Respekt vor einer solchen Aufgabe ist somit umso verständlicher, und dennoch fragte ich mich, wie man so kurz vor dem Ziel überhaupt ins Hadern geraten könne.

Mein Freund hatte allerdings ziemlich gute Argumente, die mich zum Nachdenken angeregten. Er war bereits seit einiger Zeit als Vollzeitkraft in einem Unternehmen tätig, seine Position gefiel ihm. Sein Studium hatte er gewissenhaft vollzogen und deshalb logischerweise genau die gleichen Kompetenzen wie seine Kommilitonen – das Einzige was ihm fehlte, war demnach ein schriftlicher Beweis in Form eines Abschlusses, der ihm diese Fähigkeiten bescheinigte. Eine Karriere im wissenschaftlichen Bereich kam für ihn nicht in Frage. Die Chance, dass er in seinem Leben nochmal eine solche Arbeit verfassen muss, tendiert also gegen Null. Insofern war mein Freund eigentlich für seinen Bereich so qualifiziert wie es nur geht – und trotzdem wurde seine gesamte Befähigung durch eine einzige Arbeit komplett in Frage gestellt.

Denn auch seine Arbeitsstelle war nur befristet, für eine langfristige Beschäftigung brauchte mein Freund dringend einen Masterabschluss. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass ein Unternehmen für eine einfachere Selektion ein schriftliches Dokument mit einer Note darauf braucht – ansonsten würden sich Bewerbungsverfahren wohl noch deutlich krasser in die Länge ziehen. Dennoch wissen wir bereits aus der Schulzeit, dass diejenigen mit den besten Noten nicht auch immer automatisch die intelligentesten Menschen waren. Insofern kann ein Abschluss auf keinen Fall das Maß aller Dinge sein. Eine adäquate Lösung für dieses Problem ist keine leichte Aufgabe – unfair ist die Pflicht einer Abschlussarbeit unter diesem Gesichtspunkt aber dennoch allemal.

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