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Weniger Studis an der TU Harburg – wie ist das zu bewerten?

Hörsaal

Wer sich in den letzten Jahren mit deutschen Universitäten beschäftigt hat, der kommt kaum um ein Bild des immerwährenden Hypes herum. Immer mehr Menschen machen Abitur, entsprechend steigen auch die Zahlen der Studienanfänger*Innen. Die NCs werden dadurch teilweise exorbitant hoch und bei Medizinern treten mittlerweile absurde Szenarien auf, in denen selbst Bewerber mit dem Traum-Abi-Schnitt 1,0 keinen Platz bekommen. Für uns Studierende ist dieser bewegte Markt natürlich eine schwierige Situation, für die Unis stellt die Masse an Studien-Anwärtern wiederum eine absolute Goldgrube dar. Das Geschäft mit Wissenschaft und Bildung floriert, die Zukunft unseres Landes scheint zumindest in den studierbaren Bereichen gesichert, Probleme haben wir dafür eher im Ausbildungsbereich – oder?

Eine aktuelle Meldung der TU Harburg kommt im Kontext dieses recht stringent gedachten Szenarios geradezu widersprüchlich daher. Die Universität sucht dringend nach neuen Studienanfängern, denn im Vergleich zum Vorjahr sind die Zahlen sogar rückläufig. Für die TU kommt diese Entwicklung aktuell zum ganz falschen Zeitpunkt, denn eigentlich hatte man gerade zusammen mit dem Hamburger Senat Expansionspläne beschlossen, mit denen man die Zahl der Studierendenschaft langfristig um 30 Prozent erhöhen wollte. Dass in den letzten Wochen in vielen Zügen des HVV kleine Anzeigen von der TU aufgetaucht sind, ist demnach absolut kein Zufall. Die Uni hat es gerade schlicht nötig, ein neues Publikum auf sich aufmerksam zu machen.

Für einen nachhaltigen Planeten ist MINT-Nachwuchs essentiell.

Besonders interessant sind in diesem Kontext die Gründe, die Uni-Präsident Ed Brinksma für diese Entwicklung ausmacht. Brinksma glaubt, dass vor allem die zunehmende Entfernung Studierender von den MINT-Fächern für den Rückgang der Zahlen verantwortlich ist. Als Technische Universität ist die TUHH auf diese in gesondertem Maße spezialisiert. Brinksma konstatiert weiter, dass die zunehmende Auswahl an diversen Fächern dafür sorgt, dass sich Studierende weniger auf ein bestimmtes Fach einlassen können. Hier läge also sogar ein negativer Effekt für die TU vor, der aus dem Studi-Boom resultiert und damit absurderweise eigentlich zu einem positiven Effekt für das gesamte Hochschulwesen führen müsste.

Nun wird nur aus dem letzteren Faktor nicht wirklich deutlich, warum gerade die TU Harburg von Anwärterschwund betroffen ist. Die schiere Masse an verschiedenen Studiengängen führt sicher zu einer größeren Spaltung innerhalb der verschiedenen Unis, dennoch lassen sich die kleineren Zahlen wohl nur auf das für viele Studienanfänger uninteressanter werdende Programm zurückführen. Das erscheint im Fall der MINT-Fächer verwunderlich: Während Fridays For Future gerade jeden Freitag für bessere Energiekonzepte demonstriert und der Klimawandel zur wichtigsten Herausforderung unserer Generation wird, bräuchten wir eigentlich gerade einen Zuwachs fähiger Ingenieure und Energie-Wissenschaftler, die mit sich nachhaltigen Konzepten auseinandersetzen. Es ist interessant, dass gerade in diesem Zukunftsthema ein Rückgang zu verzeichnen ist, obwohl sich immer mehr Studierende und Schüler für umweltfreundlichen Strom und Transport interessieren.

Wie ist das zu bewerten? Vielleicht ist sogar gerade die manchmal aussichtslos scheinende Energiepolitik verantwortlich dafür, dass in diesem Bereich eine abgeschreckte Haltung entgegengebracht wird. Vielleicht neigt der Zeitgeist aktuell aber auch einfach nur zu anderen Themen – das gewisse Studiengänge zeitweise im Trend liegen, wäre nichts Besonderes. In jedem Fall ist es wünschenswert, dass die TU Harburg dieser Entwicklung entgegenwirkt – nicht nur für sich selbst, sondern auch für die Zukunft von uns allen.

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