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Steinzeitliches Relikt oder unterschätzte Vision? Der Studi-Ausweis der Uni Hamburg

Wenn Studis der Universität Hamburg mit ihren Freunden von der HAW ins Kino gehen, werden die Blicke ersterer Gruppe manchmal ein bisschen wehmütig – und das, obwohl doch eigentlich alle die das Portemonnaie schonenden 50 Cent Ermäßigung beim Kartenkauf bekommen. Der Neid der Uni-Abkömmlinge liegt vielmehr in dem Dokument begründet, durch das diese Ermäßigung zustande kommt: dem Studierendenhaus. Während die Menschen von der HAW eine richtig schnieke Scheckkarte mit Foto vorweisen können, müssen sich die Studis der Uni Hamburg mit einem hässlich bedruckten Lappen aus Papier zufriedengeben. Wer zu Anfang seines Studiums noch dachte, dass natürlich nur der vorübergehende Ausweis so bescheuert aussehen würde, der irrt: Das „richtige“ Exemplar sieht nämlich ganz genau so aus.

Warum bekommt es die Uni nebst regelmäßigen Stine-Verkackern nicht hin, das Format ihrer Studierendenausweise mal ins 21. Jahrhundert zu transferieren. Diesen Papierschnipsel kann man doch nun wirklich niemandem präsentieren. An anderen Hochschulen sieht diese Chose ganz anders aus: In Bremen haben die Studis zum Beispiel einen richtig schicken All-In-One-Ausweis, der durch sein Format wesentlich robuster ist und mit dem man sogar in der Mensa bezahlen kann. Der Ausweis der Uni Hamburg reißt hingegen schon, wenn man ihn nur ansieht und das HVV-Ticket ist noch nicht einmal inkludiert, sondern muss auf einem zusätzlichen Papierschnipsel mitgebracht werden. Dieser ist so leicht zu fälschen, dass man ihn noch nicht mal laminieren darf.

Die Sehnsucht der Studierenden nach einem Ausweis, der sich auch wirklich so nennen darf, wird in den Wahlen zum Studierendenparlament regelmäßig deutlich. Fast jede Partei fordert Wahl für Wahl die Einführung eines vernünftigen Ausweises, Ergebnisse dazu sind bisher noch nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Die Uni Hamburg ist mittlerweile „exzellent“, stattet ihre Studierenden aber mit einem Erkennungsequipment aus, das die Stabilität eines Führerscheins aus den siebziger Jahren besitzt und den Namen „Lappen“ wirklich noch verdient hat. Vielleicht ist all das aber auch nur ein Fortschritt, für dessen Erkenntnis wir alle einfach noch nicht bereit sind. Ein Zeichen zum Einsparen von Plastikmüll? Eine Hommage an den Minimalismus? Ein politisches Statement zum soziologischen Phänomen der Segregation, bei dem alles aufgetrennt ist und seine feste Rolle hat? Avantgarde braucht manchmal Erklärung – vielleicht haben wir diese einfach nur noch nicht verstanden.

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