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Warten auf Noten: Die ruhelose Periode

Warten

Morgens halb 10 in Deutschland: Ein kleiner Studi erwacht in den Semesterferien aus seiner viel zu kurzen Nacht. Die Netflix-Serie hatte am Vorabend mal wieder viel mehr Zeit geraubt als angedacht, an Schlaf ist trotzdem nicht mehr zu denken. Ein Blick in den Handy-Kalender verrät: Heute ist es genau vier Wochen her, seitdem der kleine Studi seine letzte Hausarbeit abgegeben hat. Fast ein Monat ist also ins Land gegangen – genug Zeit, um die 15 Seiten geistiger Ergüsse gelesen zu haben. Aufgeregt ruft der kleine Studi seine Stine-App auf und klickt wie jeden Tag gespannt auf den Reiter „Prüfungsergebnisse“. Was hat er wohl für sein jüngstes Werk bekommen? Entspricht das Ergebnis seinen Erwartungen? Das vorläufige Resultat ist jedenfalls alles andere als befriedigend, denn nach kurzer Ladezeit blickt der kleine Studi wie schon in den letzten Tagen nur wieder auf die Worte: „noch nicht eingetragen“.

Seufzend hüpft der Studi aus seinem Bett und schmeißt die Kaffeemaschine an. Er fragt sich, durch wie viele Arbeiten sich sein Prof wohl gerade durcharbeiten muss. 10? 20? 100? Wie lange dauert es wohl, eine Hausarbeit angemessen zu korrigieren? Der kleine Studi hat für das Schreiben des Projekts schließlich auch nur vier Energydrink-durchtränkte Nächte gebraucht – da kann das Lesen dieser substanziellen Ergüsse doch auch nicht viel länger dauern. Außerdem ist der Prof ja schon seit vielen Jahren im Amt und hat in seiner Laufbahn mit Sicherheit schon dutzende mehr oder weniger wissenschaftliche Arbeiten gelesen. Hat man da nicht irgendwann eine gewisse Routine? Oder hat man vielmehr eigentlich gar keine Lust mehr, die amateurhaften Schriftstücke seiner Studierenden zu lesen, die den größten Quatsch in ihr Word-Dokument hacken?

Das Warten auf die Note einer Hausarbeit kommt dem kleinen Studi manchmal kräftezehrender vor als die Arbeit an sich. Er traut sich kaum, in dieser Zeit nochmal in das gespeicherte PDF auf seinem Laptop zu schauen. Irgendein Komma-Fehler wird sich mit Sicherheit eingeschlichen haben – und wenn er den erst entdeckt hat, kann er wahrscheinlich gar nicht mehr aufhören, daran zu denken. Die Gedankentürme des kleinen Studis werden sowieso schon immer größer. Hätte er nicht vielleicht noch den einen Aspekt einbringen sollen, den er in einer Fußnote einer Quelle sehr interessant gefunden hatte? Ist die Abhandlung der analytischen Vorgänge wirklich akkurat geschehen? Hätte man an mancher Stelle nicht noch einen Beleg einfügen müssen? Je mehr Zeit der Prof zum Korrigieren braucht, desto größer wird die Hausarbeit im Kopf des kleinen Studis – da hilft es nicht gerade, dass er nach dem Abschicken der Arbeit für die Uni gerade gar nichts zu tun hat.

Am Ende wird der Erhalt der Note fast eine größere Befreiung sein als die Fertigstellung der Hausarbeit selbst. Möglicherweise muss der kleine Studi auf diese Entlastung aber noch viele Monate warten. Das Ergebnis ist zu diesem Zeitpunkt fast trivial geworden. Hauptsache, der Morgenkaffee schmeckt wieder nach getaner Arbeit – und nicht nach in der Luft hängenden Projekten, auf die man selbst keinen Einfluss mehr hat.

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