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„Ich brauche mal etwas Abstand!“ – Warum die Uni wie eine Beziehung ist

Liebesbrief

Euer Studium ist ja bisweilen so eine kleine Hassliebe. Eigentlich hat es euch damals hier hingezogen, weil ihr so schwer angetan von der äußerlichen Erscheinung der fachlichen Inhalte wart. Ihr wart ganz und gar gefangen von der wunderschönen Hülle, die uns das Semesterprogramm im Vorfeld frohlockte. In unserem Kopf schwelgten unentwegt die Gedanken an eine gemeinsame Zukunft für lange Zeit. Das Studium und ihr, das sollte etwas für die Ewigkeit sein. Die perfekte Beziehung zwischen Mensch und Bildungsstätte, eine romantische Korrelation, in der beide Partner sich so viel geben und in der jeder gut für den anderen ist.

Zweieinhalb Jahre geht dieses Verhältnis mittlerweile schon und die rosarote Blümchenwelt ist etwas pragmatischerer Ernüchterung gewichen. Irgendwie trottet das gemeinsame Zusammenleben mittlerweile so dahin. Man kommt miteinander aus, aber aus der schwärmerischen Liebe der Ersti-Woche ist routinierter Alltag geworden. Eigentlich funktioniert alles grundsolide, doch die Erinnerungen an manche Konflikte von vor einigen Monaten trüben die oberflächlich rührselige Stimmung etwas. Irgendwie seid ihr immer noch nicht so richtig über diesen Tag hinweg, als in eurem STiNE-Konto plötzlich alle Noten gelöscht waren und ihr euch durch 70 verschiedene Büros telefonieren musstet, um alles wieder geradezubiegen. Oder wie war das an dem Tag, als das dämliche Essay für dieses bescheuerte Seminar partout und unbedingt an dieser einen Deadline fertig werden musste? Entspanntheit ist irgendwie nicht die hervorstechendste Eigenschaft eures Partners.

Insgeheim wisst ihr schon lange, dass das zwischen euch eigentlich nicht mehr so richtig prickelnd ist. Schon hundert Mal habt ihr einen Abschiedsbrief mit der Überschrift „Exmatrikulation“ angefangen und ihn wieder zerknüllt – wohl aus Zukunftsangst. Was, wenn ihr nie wieder jemanden findet, der euch bei sich lernen lässt? Was, wenn ihr im Nachhinein doch wieder zurückwollt, weil ihr merkt, dass ihr nicht ohne eure geliebte Uni könnt? Immer habt ihr euch beschwert, dass ihr so viel gebt und nichts zurückkommt, aber ist das wirklich so? Am Ende bleibt ihr wohl nur aus Bequemlichkeit und Angst dort, wo ihr es halbwegs aushalten könnt. Aber ob das am Ende wirklich eine traumhaft weiße Hochzeit gibt? Vielleicht müsst ihr mal reden.

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