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Vorlesung oder Seminar – welche Kursform bringt uns weiter?

Das Schöne am Studium ist, dass wir alle diesen Begriff teilweise wirklich komplett anders verstehen. Auch wenn der Bologna-Prozess international für eine zunehmende Vereinheitlichung und Verschulung gesorgt hat, dennoch sind unsere Studiengänge in vielerlei Hinsicht so verschieden, dass eine Vergleichbarkeit manchmal kaum möglich scheint. Diese Aussage bezieht sich offensichtlich vor allem auf die Inhalte, denn wer Informatik studiert beschäftigt sich logischerweise mit völlig anderem Kram als Afrikanistik-Studis. Aber hier hören die Differenzen in unseren Studiengängen noch nicht auf, denn sogar unsere Lehrformen sind ganz anders. Hochschul-Studierende leben sich oft ganz praktisch und kreativ in verschiedenen Übungen aus, BWLer nähern sich ihrem Thema vornehmlich in Vorlesungen, Kulturwissenschaftler diskutieren über ihren Gegenstand in vielen partizipierenden Seminaren.

Die verschiedenen Lehrformen hängen teilweise an den Jahrgangsgrößen – in einem Studiengang mit hunderten Erstis Seminare zu veranstalten, in denen sich jeder ohne Probleme beteiligen kann, ist ein enormer Aufwand. Da ist es einfacher, wenn man alle in einen Raum steckt, in dem jeder grundsätzlich nur zuhören muss. Universitäts-Nischen mit nur wenig Teilnehmern können dieses Problem etwas entspannter angehen. Deswegen ist es kein Wunder, dass sich etwa die kulturwissenschaftlichen Studiengänge fast ausschließlich aus Seminaren und Übungen zusammensetzen. Das liegt aber auch schlicht am Gegenstand, die diese Wissenschaften betrachten: Über ein Kunstwerk muss schlicht diskutiert werden, weil die Antworten viel uneindeutiger sind als in Fächern, die sich mit mathematischen Regeln oder Gesetzen auseinandersetzen. Das Seminar ist hier nicht nur Ergebnis dankbarer Umstände, sondern auch Resultat einer essenziellen Notwendigkeit der Diskussionskultur.

Hängt die Vorteilhaftigkeit von Seminar oder Vorlesung also einzig und allein am dazugehörigen Fach? Das ist sicherlich ein Faktor, aber auf keinen Fall ein singulärer. Denn Diskussionskultur brauchen wir in der Wissenschaft überall. Es gibt auf kein Thema fast nie nur eine Sichtweise – wenn dem so wäre, dann wäre unser gesamter Studienbetrieb nichtig. Deswegen sind Seminare absolut entscheidend, auch wenn sie für uns vielleicht unbequemer sein mögen als eine Vorlesung, in der wir theoretisch tun und lassen können, was wir wollen. Die Seminarkultur bringt uns dazu, selbstständig Gedankengänge zu fassen, uns mit gewissen Themen noch weiter zu beschäftigen und Theorien zu hinterfragen. Deswegen ist es trotzdem schön, umfangreiches Fachwissen aus interessanten Vorlesungen zu ziehen. Wer aber von Seminaren absieht, der muss sich fragen, warum er überhaupt studiert – denn schlussendlich sollen wir an der Uni doch lernen, uns mit unseren eigenen Gedanken zu emanzipieren. Und es gibt doch kaum etwas Schöneres, als das im Austausch mit unseren Kommilitonen zu tun.

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