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Forschung im Elfenbeinturm: Wie relevant sind Unis für uns alle?

Gesellschaft

Wer einen wissenschaftlichen Diskurs führt, der sieht sich oft mit der Frage konfrontiert, ob seine Arbeit für die Gesellschaft überhaupt relevant ist. In Zeiten, in denen immer mehr Menschen ihr Studium als Berufsausbildung anstatt als auch für sich isoliert wertvolle Zeit verstehen, tritt diese Kontroverse ganz besonders häufig auf. Was leistet eigentlich ein Kulturwissenschaftler für die Allgemeinheit? Wieso stecken wir so viel Geld in die so verschrienen Gender Studies, die von vielen Seiten kritisch beäugt werden? Wieso werden wir nicht alle Mediziner, Psychologen oder Ingenieure, wo die Studienergebnisse sichtbar reale Effekte haben?

Die Sinnhaftigkeit ist stets ein emotional aufgeladenes Thema. Zum einen wird mit kritischem Auge jeder Cent beäugt, der in die Wissenschaft fließt und vielleicht an anderer Stelle besser investiert wäre, auf der anderen Seite stehen leidenschaftliche Studis, die ihr Fach lieben und in einer Diskussion um die Sinnhaftigkeit ihres Schaffens nur schwerlich nachgeben wollen. Mal abgesehen davon, dass Diskussionen um sinnvolle Budgetverteilungen oft in Whataboutism enden, ist eine kritische Betrachtung von Studieninhalten mit Sicherheit lobenswert, gleichzeitig aber auch ein schwieriges Streitfeld für alle Beteiligten.

Darüber, dass Wissenschaft grundsätzlich für unsere Gesellschaft absolut relevant ist, sollte es absolut keine zwei Meinungen geben. Ohne sie wäre die Menschheit nicht an dem entwicklungstechnischen Punkt, an dem sie heute steht und ohne die „Scientists For Future“ hätte zum Beispiel die aktuelle Klimadebatte gar nicht die rationale Unterfütterung, die sie dringend benötigt. Gerade aus diesem Fokus heraus scheint die Allgemeinheit aber stets geneigt, nur naturwissenschaftlichen und empirisch klar fassbaren Stoff zu akzeptieren. Dass der Weggang von geisteswissenschaftlichen Studiengängen dabei aber fatal wäre, haben wir bereits in der Vergangenheit aufgezeigt. Wer sich immer nur auf Rationalität beruft, der dürfte auch in seinem Alltag gar nicht mehr gefühlte Entscheidungen treffen. Aber eine Irrationalität gehört zur Kunst ebenso fundamental wie zur Menschheit als solche. Wollen wir unsere Gesellschaft und unsere Welt also als Ganze verstehen, dann hat jede Form von Wissenschaft ihre Daseinsberechtigung.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Wissenschaft aufpassen muss, sich nicht nur um sich selbst zu drehen. Dies räumte sogar „Scientists For Future“-Wissenschaftler Volker Quaschning ein, der als Ingenieurswissenschaftler eigentlich auf der oberflächlich akzeptierten Seite steht. Die Wissenschaft für einen breiten Kontext zugänglich und relevant zu machen ist Aufgabe der Institute, der Forschenden und der Studierenden. Es hilft in diesem Diskurs aber nicht, mit dem Finger immer nur auf die vermeintliche Irrelevanz des Fachfremden zu zeigen. Produktiver wäre es, wenn jeder selbst überlegen würde, wie er seine Forschung konsensfähig machen kann.

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