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Und danach kam das Nichts: Ein Lagebericht aus der After-Bachelorarbeit-Leere

Faulheit

Die Worte, die ihr gerade lest, sind die ersten, die ich am heutigen Tage schreibe. Der Nachmittag ist schon fortgeschritten und eigentlich wollte ich zu diesem Zeitpunkt schon ganz andere Arbeiten erledigt haben. Gestern habe ich meine Bachelorarbeit nach vielen Monaten Arbeit in den Druck geben lassen. Die Zeit, in der ich tagtäglich nur noch an meine Leitfrage, das Beschaffen bestimmter Quellen oder das Ringen mit methodischen Problemen denken konnte, sind vorbei – an der Arbeit kann ich jetzt eh nichts mehr ändern. Deswegen hätte ich jetzt endlich mal Zeit für all die anderen Aufgaben, die sich bei mir so in den letzten Monaten angestaut haben. Stattdessen sitze ich hier und gehe bei dem schönen Wetter nicht irgendwo draußen arbeiten, sondern versacke eher in meinem Bett.

Während ich hier so sitze und meine Zeit mit bescheuerten Youtube-Videos vergeude, frage ich mich aber auch, warum das eigentlich nicht auch mal OK sein kann. Ich habe in den letzten Wochen den Hustle wirklich mehr als real gekeept, da müsste es doch auch mal in Ordnung sein, einen Tag einfach mal die Ruhe zu bewahren. Und doch kann ich irgendwie kaum anders, als mich innerlich schon wieder mit den nächsten Aufgaben zu beschäftigen. Dass mir die nie ausgehen werden, habe ich inzwischen schon lange kapiert, bin dabei aber auch gleichzeitig zu der Realisation gekommen, dass es durchaus mal in Ordnung ist, Dinge aufzuschieben, die nicht unaufschiebbar sind. Wer nämlich stetig viel zu tun hat und jedes Problem immer sofort bewältigen will, der macht irgendwann gar nichts mehr.

Was ich aus diesem unsystematischen Versacken des heutigen Tages mitnehme ist, dass ich mich nicht unbedingt gut dabei fühle, nur herumzugammeln. Aber die erste Alternative, die mir mein Kopf im Gegenzug vorschlägt, ist auch nicht unbedingt die gesündeste. Wir müssten lernen, uns von dem ständigen Arbeits-Dogma in unserem Kopf zu befreien und gleichzeitig wieder erkennen, was es außerhalb davon noch für Möglichkeiten gibt, sich nicht so verloren zu fühlen. In diesem Sinne, entschuldigt mich bitte. Ich suche mir jetzt einen Platz zum Kaffee trinken.

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