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Uns Fiete: Wenn ein Teenager den sterbenden HSV retten soll

Manchmal fühlt es sich so an, als sei vor ein paar Monaten ein nicht volljähriger Messias aus dem hanseatischen Regenhimmel gestiegen. Prompt war Jann-Fiete Arp der neue Uwe Seeler, DER Hoffnungsträger im Volksparkstadion, der den darbenden Traditionsklub vor dem erstmaligen Abstieg retten und bestenfalls nächste Saison nach Europa führen soll – Hamburger Understatement.

Foto: mopo.de

Auf Timo Werners Spuren?

Arps Vertragsverlängerung steht an. Sein Herzensverein ist der HSV. Dumm nur, dass der Bundesliga-Dino sich in der deutschen Fußball-Beletage alles andere als mit Rum bekleckert und Arp genau weiß, dass die Interessenten Schlange stehen – unter anderem RB Leipzig. Dort würde er auf Timo Werner treffen, mit dem er ein famoses Sturmduo bilden könnte.

Beide Spieler verbindet eine ähnliche Geschichte. Auch Werner, damals angestellt beim VfB Stuttgart, wurde mit 17 Jahren hochgepriesen und zum Hoffnungsträger eines kriselnden Bundesliga-Traditionsvereins. Erst hochgelobt, wurde Werner jedoch praktisch verheizt und schließlich zum Sündenbock der sich zuspitzenden sportlichen Katastrophe der Schwaben. Der VfB stieg ab und Werner wechselte zu den frisch aufgestiegenen Leipzigern. Der Rest ist Geschichte.

Bald Team-Kollegen? Timo Werner (li.) und Fiete Arp (re.)

So ein Stahlbad, wie Timo Werner es durchlebte, kann einen jungen Menschen mental brechen – oder es lässt ihn reifen und macht ihn stärker, wie es bei Werner der Fall ist. Als gehyptes Talent, zu dem man dieser Tage schnell hochstilisiert wird, bedarf es ein dickes Fell und einen gefestigten Charakter. Fußballern wird im zarten Oberlippenflaum-Alter übereilig weisgemacht, dass sie bereits jetzt Ikonen des Sports sind. Es gibt genug Fälle von neuen „Bombern“, die am Ende in der Bedeutungslosigkeit verschwanden, weil sie zu früh zu viel wollten und zu früh zu viel von ihnen erwartet wurde.

Das Hamburger Stahlbad als Charaktertest

Fiete Arp sei diesem Trubel gewachsen, meint sein Förderer Bernhard Peters. Der Nachwuchschef des HSV bezeichnet ihn als „außergewöhnlich cool und reflektiert für sein Alter“. Der Charakterbildung tut das HSV-Chaos wahrscheinlich sogar gut. Beim Hamburger Traditionsverein wird man schnell erwachsen und mit allen Wassern gewaschen. Hier gibt es kein Bling-Bling mehr, hier herrscht Tristesse und ein eiskalter Überlebenskampf, ohne Platz für Extravaganzen – was nicht bedeutet, dass letztere dennoch Platz finden. Der HSV ist manisch-depressiv geworden – himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt. Jeder kleinste Funke, der einen Aufwärtstrend erahnen lässt, wird alsbald unter einer unverhältnismäßigen Euphorie erstickt, sodass aus dem Funken nie und nimmer ein Feuer werden kann.

Arp: Sinnbild der Volkspark-Verzweiflung

Dieser Funke ist der 18-Jährige Arp. Der gebürtige Bad-Segeberger ist seit seinem zehnten Lebensjahr Hamburger. In Zeiten, in denen sich der HSV scheinbar ausschließlich über das Chaos definiert, lechzt das Umfeld nach einer positiven Identifikationsfigur – nach irgendetwas, auf das man stolz sein kann. Die Sehnsucht danach scheint gar größer und wichtiger, als der Erfolg an sich.

Im Volkspark gibt´s nicht viel zu lachen – Foto: abendblatt.de

Ein neuer Uwe Seeler, als den ihn viele sehen wollen, wird er wahrscheinlich nicht. Dafür hat sich das Fußballgeschäft zu sehr verändert. Das sollte im Hamburger Umfeld aber auch nicht der Anspruch sein. „Uns Fiete“ hat erst ein paar Profispiele bestritten und kann unmöglich den Erwartungen gerecht werden, die manch einer ihm zuschreibt.

Ein 18-Jähriger, der zum erlösenden Heilsbringer werden soll, umgeben von gestandenen Bundesliga-Profis, deren Qualität eigentlich reichen sollte, um nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. All das zeigt einfach nur, wie schlecht es um den HSV steht und wie viel Verzweiflung den Verein lähmt. Früher oder später wird Arp wechseln. Sollte der HSV dieses Jahr erstmalig absteigen, wohl eher früher. Keiner würde es ihm verübeln. Hamburg schätzt sein Sturmtalent. Darum wird man Arp kaum zum Sündenbock machen, wie es bei Timo Werner der Fall war, der jedoch auch noch nie wirklich ein großer Sympathieträger war. Wichtig ist und bleibt, dass der Junge nicht verheizt wird.

Bis dahin heißt es: „In nomine Arpris et Fiete et Spiritus Seeler.“ Amen.

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