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Zurück zur Schule: Sollte mündliche Mitarbeit in der Uni bewertet werden?

Uni-Seminare sind manchmal ein wenig absurd: Einerseits sitzen dort zumindest in der Theorie nur Menschen, die sich freiwillig für ihr Fach entschieden haben und daher eigentlich mit Begeisterung bei der Sache sein müssten. Anderseits sind genau diese Menschen oft so stillschweigend, als hätte der Lehrer am Gymnasium gerade eine Frage gestellt, die niemand im Raum beantworten kann. Die mündliche Beteiligung an Unis ist oft enorm zurückhaltend. Oft halten immer die selben drei Leute die Diskussion am Leben und wenn der Prof eine Frage stellt, ist die eintretende Stille gerne mal etwas peinlich. Wie kann das sein? Wieso sind wir an der Uni stiller als in der Schule, wenn wir uns doch eigentlich weiterentwickelt haben sollten.

Der Grund liegt möglicherweise darin, dass niemand von uns erwartet, uns ernsthaft zu beteiligen. Zu Beginn von Seminaren wird zwar regelmäßig gepredigt, dass wir uns als Studienleistung aktiv an der Veranstaltung beteiligen sollten, aber letztendlich schaut da doch niemand so genau hin. Wer sich an der Uni nicht beteiligt, rutscht vielleicht ein Stück in die Anonymität, Schlimmeres ist aber kaum zu befürchten. Aber tötet das nicht eigentlich unseren Wunsch nach einem regen Austausch mit Gleichgesinnten? Warum ist in der Uni die Hemmschwelle, etwas Falsches zu sagen bei vielen scheinbar größer als in der Schule? Warum verleitet uns das Hochschulleben zu einem Müßiggang, dem wir eigentlich so motiviert entfleuchen wollten?

Was wäre, wenn wir Studis ihre Noten auch danach geben würden, wie sie sich im Seminar beteiligen? Vorteile hätte das mit Sicherheit: Der Gesprächskultur wäre zweifelsohne geholfen, die Endnote würde nicht nur von einem singulären Faktor abhängen (ergo: Hausarbeit oder Klausur) und Studis könnten so etwas aus ihrer Komfortzone gezogen werden. Der Lerneffekt einer solchen Unterrichtsweise lässt sich kaum abstreiten – und irgendwo ist es ja auch der Sinn eines Seminars, dass sich alle in einen gegenseitigen Austausch begeben.

Gleichzeitig würde eine Wertung der mündlichen Leistung aber auch dem Prinzip der Freiheit wiedersprechen, das Hochschulen eigentlich ausstrahlen sollen. Seit Bologna ist das gesamte Prinzip Universität sowieso schon wesentlich stringenter geworden – sollten wir uns also wirklich auch noch dieses Stück des freien Willens nehmen? Und welche Seminargröße wäre eigentlich noch akzeptabel, wenn sich jeder beteiligen sollte? Würde das nicht zwangsläufig zu einer kompletten Umstrukturierung des Systems führen, die mit Sicherheit den Wenigsten gefallen wird?

Der Knackpunkt ist doch eigentlich Folgender: Wieso müssen wir überhaupt über so etwas diskutieren? Schließlich gehen wir doch an die Universität, weil wir uns für die Themen interessieren, die an unserem Institut präsentiert werden. Die Motivation für eine Beteiligung sollte daher kein Leistungsdruck, sondern reine Begeisterung sein. Wir müssen daran arbeiten, Hemmschwellen abzubauen und Umgebungen formen, in denen Studis sich beteiligen WOLLEN. Die Motivation für eine Diskussionskultur muss positiv besetzt sein und nicht umgekehrt.

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